lit.COLOGNE – gebadet wird samstags

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Mein Gott was muss das gestunken haben! Damals! In den siebzigern. Geraucht haben die da wie die Schlote und gesoffen wie die Stiere. Bier immer und Schnaps dazu. Und Zwiebeln wurden immer angebraten zum Fleisch und dann noch Kohl und Bohnen. Das windet. Und all die Ausdünstungen. Und gebadet wurde samstags. Der Sauberste zuerst. Erinnern kann ich mich ja nicht an den Geruch. Nur wenn der Bauer drei Straßen weiter bei Ostwind die Fenster am Schweinestall aufmachte… Puh! Und was hat das nun mit Literatur zu tun?

Die lit.COLOGNE hatte zum ersten kulinarischen Quartett in die Flora geladen. Denis Scheck wollte über den Zusammenhang von Schreiben und Kochen, von Essen und Lesen diskutieren. Gelanden war Schriftsteller und ein Koch.

Aber der –Vincent Klink– war leider krank und der Mitorganisator des Literaturfestes, Werner Köhler, sprang ein. Sein Roman „Cookys“ schien ihn ja vorzüglich für die Runde zu qualifizieren. Selten wurde eine Küche und ihre Protagonisten so schön in Szene gesetzt. Doch auf der Bühne war er eine Enttäuschung: Schreiben und Kochen? Nein, da sehe er eigentlich keinen Zusammenhang und ein schlechter Esser sei er auch. Schade.

Katja Lange-Müller hatte, wie alle anderen, ein gutes und ein schlechtes Kochbuch dabei. Das die Dinger für zwei Euro vom Wühltisch nix sind, darauf wäre wohl auch jeder der 500 (?) Gäste von alleine gekommen.

Eine Überraschung für mich war Frank Schätzing, der munter plauderte, witzig war und Geschichten interessant zu erzählen wusste. Und es nicht einmal nötig hatte, aus eigenen Büchern zu lesen. Dennoch standen bei ihm die meisten für ein Autogramm an.

Und was hat das nun mit dem Duft der Siebziger  zu tun?

Der Ekel! Das Eklige in der Küche und der Literatur. Blut und Innereien. Unappetitlich das Ganze. Doch es machte Spass zuzuhören, wie vor allem Dennis Scheck und Frank Schätzing, aber auch Werner Köhler sich durch dieses Thema tasteten, suhlten, wanden… Und damit es allen so richtig Spass machte, gab es für die auf der Bühne einen Teller, für die im Publikum ein Becherchen – Kuttelsuppe. Die kommt ja immer wieder in der Literartur vor und Herr Grass kocht sie ja angeblich immer noch liebend gerne… Mir kamen alleine beim Geruch die Bilder der Vergangheit hoch und der Geschmack liegt mir jetzt am nächsten Morgen noch auf der Zunge und stößt auf. Das Thema ist ein für alle Male durch. Auch ne Erfahrung.

Das schöneste Bild des Abends aber kam vom Moderator, der das Schreiben und Kochen als Formen gesteigerter Aufmerksamkeit bezeichnete und damit als Ausdrucksformen der Liebe.

Recht hat er!

Vincent Klink sei eine baldige Genesung gewünscht. Er hätte den Herren Scheck und Schätzung wohl den Gegenpol liefern können, der den Abend zu einen Ereignis hätte machen können.

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